Ein WordPress Plugin das die Schneelast nach DIN EN 1991-1-3 berechnet und gleichzeitig zeigt, wie viele Tage im Jahr eine Terrassenüberdachung bringt – beides basierend auf der echten Adresse des Kunden.
Für Schmidt Überdachungen habe ich genau das gebaut. Das Unternehmen verkauft Terrassenüberdachungen, Wintergärten und Carports. Die Verkäufer brauchten ein Werkzeug für ihre Beratungsgespräche: Wie hoch ist die Schneelast am Standort des Kunden? Und wie viele Tage im Jahr kann er seine Terrasse mit einer Überdachung länger nutzen?
Vorher lief die Schneelastberechnung über eine Excel-Tabelle mit manueller Eingabe, fehleranfälligen Formeln und veralteten Zonenzuordnungen. Das Plugin digitalisiert diesen Prozess komplett: Eine Adresseingabe – und beide Ergebnisse stehen in Sekunden da. Die exakte Schneelast in kN/m² nach DIN-Norm und eine interaktive Grafik die zeigt, was eine Überdachung an Terrassenzeit bringt.
In diesem Artikel zeige ich, wie das technisch funktioniert und warum die Kombination aus Statik-Tool und Sales-Tool so gut funktioniert.
Was berechnet der Schneelastrechner?
Der Schneelastrechner ermittelt die charakteristische Schneelast am Boden für jeden beliebigen Standort in Deutschland – nach den Formeln der DIN EN 1991-1-3 (Eurocode 1: Schneelasten).
Der Nutzer gibt eine Adresse ein (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort). Das Plugin macht dann drei Dinge: Es ermittelt über die PLZ die Schneelastzone des Standorts. Es holt über eine Geocoding-API die Koordinaten und darüber die Höhe über Normalnull. Und es setzt beides in die passende DIN-Formel ein.
Deutschland ist in fünf Schneelastzonen aufgeteilt (Zone 1, 1a, 2, 2a und 3). Je nach Zone und Höhenlage gelten unterschiedliche Formeln:
- Zone 1: sk = 0,19 + 0,91 × ((A + 140) / 760)²
- Zone 2: sk = 0,25 + 1,91 × ((A + 140) / 760)²
- Zone 3: sk = 0,31 + 2,91 × ((A + 140) / 760)²
Dabei ist A die Höhe über Normalnull in Metern und sk die Schneelast in kN/m². Die Zonen 1a und 2a verwenden zusätzlich einen Faktor von 1,25.
Für eine Adresse in Hamburg (Schneelastzone 2, 18 m Höhe) ergibt das 0,33 kN/m² – also 34 kg pro Quadratmeter.
Wie ermittelt das Plugin die Höhe über Normalnull?
Die Höhenermittlung läuft über die OpenRouteService API in zwei Schritten. Zuerst wird die eingegebene Adresse per Geocoding in Koordinaten umgewandelt. Dann werden die Koordinaten an den Elevation-Endpoint geschickt, der die Höhe über Normalnull zurückgibt.
Der erste API-Call geht an /geocode/search/structured mit Straße, Hausnummer, PLZ und Ort als Parameter. OpenRouteService gibt Koordinaten (Längen- und Breitengrad) zurück. Der zweite Call geht an /elevation/point mit den Koordinaten – zurück kommt die Höhe in Metern.
Beide Calls laufen serverseitig über PHP, ausgelöst per AJAX vom Frontend. Die Schneelastzone wird nicht über die API ermittelt, sondern über eine lokale JSON-Datei die jeder deutschen PLZ die zugehörige Zone zuordnet. Diese Datei ist ca. 1,3 MB groß und deckt alle PLZ-Gebiete in Deutschland ab.
// Vereinfachter Ablauf der Schneelastberechnung
$plz = sanitize_text_field($_POST['plz']);
// 1. PLZ → Schneelastzone (lokales JSON-Lookup)
$zones = json_decode(file_get_contents('snowloadzones.json'), true);
$zone = $zones[$plz];
// 2. Adresse → Koordinaten (OpenRouteService Geocoding)
$coords = openroute_geocode($strasse, $nr, $plz, $ort);
// 3. Koordinaten → Höhe NN (OpenRouteService Elevation)
$hoehe = openroute_elevation($coords['lat'], $coords['lng']);
// 4. Zone + Höhe → DIN-Formel anwenden
$schneelast = din_formel($zone, $hoehe);
Jede Berechnung erfordert also zwei Live-API-Calls. Die Ergebnisse werden nicht gecacht – da jede Adresse eine individuelle Höhe hat und die Abfragefrequenz überschaubar ist, war Caching hier nicht nötig.
Was macht der Terrassenzeitrechner?
Der Terrassenzeitrechner zeigt für jeden Standort in Deutschland, wie viele Tage im Jahr die Terrasse nutzbar ist – und um wie viele Tage sich die Nutzung mit einer Überdachung oder einem Kaltwintergarten verlängert.
Das Tool teilt alle 365 Tage des Jahres in fünf Kategorien ein, basierend auf historischen Wetterdaten für den jeweiligen Standort:
| Kategorie | Temperatur | Bedeutung |
|---|---|---|
| Eistage | unter 0 °C | Nicht nutzbar |
| Kalte Tage | 0–10 °C | Nutzbar mit Kaltwintergarten |
| Potenzialtage | 10–25 °C | Nutzbar mit Terrassendach |
| Sommertage | 25–30 °C | Angenehm ohne Dach |
| Heiße Tage | über 30 °C | Schatten durch Dach hilft |
Ohne Überdachung zählen nur die Sommertage als echte Terrassentage. Für Hamburg sind das etwa 29 Tage im Jahr. Mit einem Terrassendach kommen die Potenzialtage dazu – das sind Tage an denen es mild genug ist, aber Regen oder Wind ohne Überdachung stören würden.
Das Ergebnis wird als interaktives Tortendiagramm dargestellt (Chart.js). Der Clou: Zwei Checkboxen lassen den Nutzer "Terrassendach" und "Kaltwintergarten" aktivieren. Bei jedem Klick animiert sich das Diagramm – graue Segmente werden grün, die Tage-Zahl steigt sichtbar an.
- Ohne Überdachung: 29 Tage (8 %)
- Mit Terrassendach + Kaltwintergarten: 344 Tage (94 %)
- Gewinn: +315 Tage Terrassennutzung pro Jahr
Warum sind beide Tools in einem Plugin kombiniert?
Weil sie in der Praxis zusammengehören. Jeder Kunde von Schmidt Überdachungen braucht beides: die technische Schneelastberechnung für die Statik und die emotionale Visualisierung für die Kaufentscheidung.
Im Beratungsgespräch gibt der Verkäufer die Adresse des Kunden ein – einmal. Beide AJAX-Requests laufen parallel los. Wenige Sekunden später stehen die Schneelast und die Terrassenzeit nebeneinander auf dem Bildschirm.
Das Schneelast-Ergebnis bestimmt die technische Auslegung: Welches Sparren-Profil ist nötig? Wie stark muss die Konstruktion sein? Im Experten-Modus berechnet das Plugin sogar die Sparren-Bemessung für verschiedene Profile (S, M, L, XL, XL+) und prüft Durchbiegung und Belastung für die hauseigenen Produktlinien Toskana und Tirol – mit und ohne Verstärkung.
"An Ihrem Standort bringt Ihnen ein Terrassendach 200 zusätzliche Tage Terrassennutzung im Jahr." Das ist konkreter als jede Broschüre.
Ohne das Plugin wären das zwei getrennte Arbeitsschritte gewesen – Schneelast in einer Excel nachschlagen, Terrassenzeit irgendwie schätzen. Jetzt ist es ein einziger Klick.
Wie wird das Tool im Vertrieb eingesetzt?
Das Plugin hat zwei Modi die für zwei verschiedene Zielgruppen gebaut sind.
Der Standard-Modus ist öffentlich auf der Website von Schmidt Überdachungen erreichbar. Jeder Besucher kann seine Adresse eingeben und bekommt die Schneelast und das Terrassenpotenzial angezeigt. Am Ende wird die E-Mail-Adresse abgefragt – das Ergebnis wird per Mail zugeschickt. Das ist ein klassischer Lead-Magnet: Der Besucher bekommt einen echten Mehrwert (seine individuelle Schneelast nach DIN-Norm), und das Unternehmen bekommt einen qualifizierten Kontakt mit konkretem Bauvorhaben.
Der Experten-Modus ist nur für die Verkäufer von Schmidt Überdachungen zugänglich. Hier kommen zusätzliche Eingabefelder dazu: Breite und Tiefe der geplanten Überdachung, Glasstärke, Höhenversatz, Sparren-Profil. Das Plugin berechnet dann nicht nur die Schneelast, sondern auch die konkrete Belastung der geplanten Konstruktion – inklusive Schneelast ohne und mit Keil, Gesamtlast in Kilogramm und Sparren-Bemessung für alle verfügbaren Profile.
Die Verkäufer nutzen den Experten-Modus bei jeder Beratung. Statt mit Tabellen und Faustformeln zu arbeiten, geben sie die Adresse des Kunden ein und haben in Sekunden alle technischen Daten und das Verkaufsargument auf einem Bildschirm.
Das Plugin ersetzt eine Excel-Tabelle die jahrelang im Einsatz war: manuelle Zoneneingabe, fehleranfällige Formeln, veraltete PLZ-Zuordnungen, keine Höhenermittlung und keine Möglichkeit, Ergebnisse direkt an Kunden zu schicken. Jetzt läuft alles automatisiert.
Wie ist das Plugin technisch aufgebaut?
Das gesamte System ist ein WordPress Plugin mit PHP-Backend und jQuery-Frontend. Es wird über zwei Shortcodes eingebunden: [schneelast] für den Standard-Modus und [schneelast_expert] für den Experten-Modus.
Die Architektur besteht aus drei Schichten:
Frontend (jQuery): Ein Formular nimmt die Adresse entgegen. Bei Klick auf "Berechnen" werden zwei AJAX-Requests parallel abgeschickt – einer für die Schneelast, einer für die Wetterdaten des Terrassenzeitrechners. Die Ergebnisse werden ohne Seitenreload in die Seite eingefügt. Das Tortendiagramm wird mit Chart.js gerendert und animiert sich bei Aktivierung der Checkboxen.
Backend (PHP): Zwei WordPress AJAX-Actions verarbeiten die Anfragen. calc_snowload() übernimmt die Schneelastberechnung mit den API-Calls zu OpenRouteService und dem JSON-Lookup für die Schneelastzone. Eine separate Funktion calculate_regentage() liefert die Wetterdaten für den Terrassenzeitrechner – Temperaturstatistiken der letzten Jahre für den jeweiligen Standort, aufgeteilt in die fünf Tages-Kategorien.
Datenschicht: Die PLZ-zu-Zone-Zuordnung liegt als lokale JSON-Datei (snowloadzones.json, ca. 1,3 MB) im Plugin. Zusätzlich gibt es eine deliveryzones.json die prüft, ob der Standort im Liefergebiet liegt. Die Wetterdaten kommen von einer externen API.
Für den Experten-Modus kommt eine zusätzliche Berechnung dazu: Die Sparren-Bemessung. Basierend auf den Projektdaten (Breite, Tiefe, Glasstärke, Höhenversatz) und der berechneten Schneelast wird für jedes verfügbare Sparren-Profil (S bis XL+) geprüft, ob die Durchbiegung und Belastung im zulässigen Bereich liegen.
Eine Druckansicht (print-view.php) und ein E-Mail-Template (email-template.php) ermöglichen den direkten Versand der Ergebnisse an den Kunden.
Was hat die Kombination aus Statik und Vertrieb gebracht?
Schwer in exakten Zahlen zu beziffern, aber das Tool hat zwei klar messbare Effekte.
Erstens: Die Beratungsgespräche sind schneller und überzeugender. Vorher musste der Verkäufer die Schneelastzone manuell in einer Excel-Tabelle nachschlagen, die Höhe über NN selbst recherchieren, die Formel anwenden und hoffen dass keine Tippfehler drin sind. Die Terrassenzeit konnte er nur vage schätzen. Die Digitalisierung durch das Plugin macht das alles überflüssig: Eine Adresse eingeben, und Sekunden später stehen beide Argumente – technisch und emotional – auf dem Bildschirm. Das Plugin wird bei jeder Beratung eingesetzt.
Zweitens: Der öffentliche Standard-Modus funktioniert als Lead-Magnet auf der Website. Jeder Besucher der seine Adresse eingibt und die Schneelast berechnen lässt, gibt am Ende seine E-Mail an – ein qualifizierter Lead mit konkretem Interesse an einer Überdachung.
Ein reiner Schneelastrechner wäre ein nützliches Nerd-Tool. Aber erst der Terrassenzeitrechner daneben – mit dem animierten Tortendiagramm das sich von grau zu grün färbt – macht die Kaufentscheidung greifbar. "344 Tage statt 29 Tage" verkauft besser als jede Broschüre.
Wann lohnt sich ein individueller Onlinerechner für ein Unternehmen?
Ein individueller Rechner lohnt sich wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Das Unternehmen hat ein Produkt das eine standort- oder projektspezifische Berechnung erfordert, die Berechnung folgt klaren Regeln oder Normen, und das Ergebnis beeinflusst die Kaufentscheidung.
Ein eigener Rechner ist sinnvoll wenn:
- Es eine technische Berechnung gibt die bisher manuell oder per Excel gemacht wird
- Die Berechnung auf echten Daten basiert (Standort, Normen, Messwerte) – nicht auf Schätzungen
- Das Ergebnis direkt im Vertrieb oder auf der Website als Lead-Magnet genutzt werden kann
- Fehler in der bisherigen Berechnung Kosten oder Risiken verursachen
Es ist überdimensioniert wenn:
- Das Produkt keine standortspezifische oder technische Berechnung braucht
- Ein simpler Preisrechner mit festen Stufen ausreicht
- Die Zielgruppe technische Details gar nicht erwartet
- Das Unternehmen weniger als ein paar Beratungsgespräche pro Woche führt
Der Schneelastrechner für Schmidt Überdachungen zeigt den Idealfall: Eine Pflichtberechnung nach DIN-Norm (die Schneelast muss ohnehin ermittelt werden), die bisher über eine fehleranfällige Excel lief, wird digitalisiert und zum Vertriebswerkzeug erweitert. Die Digitalisierung eliminiert Fehlerquellen, der Terrassenzeitrechner liefert das Verkaufsargument obendrauf.
Häufige Fragen zu Schneelastberechnung und Online-Rechnern
Wie wird die Schneelast nach DIN EN 1991-1-3 berechnet?
Die Schneelast wird anhand der Schneelastzone und der Höhe über Normalnull berechnet. Deutschland ist in fünf Zonen (1, 1a, 2, 2a, 3) eingeteilt. Die Formel für Zone 2 lautet zum Beispiel: sk = 0,25 + 1,91 × ((A + 140) / 760)². A ist die Höhe in Metern, sk die Schneelast in kN/m².
Welche API eignet sich für Geocoding und Höhenermittlung in Deutschland?
OpenRouteService bietet sowohl strukturiertes Geocoding (Adresse → Koordinaten) als auch einen Elevation-Endpoint (Koordinaten → Höhe über NN). Beide Endpoints sind per REST API erreichbar und für moderate Abfragevolumen kostenlos nutzbar. Alternativen sind Google Maps Elevation API oder Open-Elevation.
Kann man einen DIN-Norm-Rechner als WordPress Plugin bauen?
Ja. Die DIN-Formeln lassen sich in PHP abbilden. Externe Daten wie Höhe über NN werden per API abgefragt, statische Zuordnungen wie PLZ-zu-Schneelastzone über lokale JSON-Dateien gelöst. Das Ergebnis wird per AJAX ins Frontend geladen – ohne Seitenreload.
Was ist ein Terrassenzeitrechner?
Ein Terrassenzeitrechner berechnet anhand historischer Wetterdaten, wie viele Tage im Jahr eine Terrasse nutzbar ist. Er teilt alle 365 Tage in Kategorien (Eistage, kalte Tage, Potenzialtage, Sommertage, heiße Tage) und zeigt, wie viele zusätzliche Nutzungstage eine Überdachung oder ein Wintergarten bringt.
Was kostet ein individueller Onlinerechner als WordPress Plugin?
Die Kosten hängen vom Umfang ab. Ein einfacher Rechner mit einer API-Anbindung und Ergebnisanzeige beginnt bei ca. 500 €. Ein komplexes System mit mehreren APIs, DIN-Norm-Berechnung, interaktiver Visualisierung und verschiedenen Modi (Standard/Experte) liegt im mittleren vierstelligen Bereich.
Welche Schneelastzone hat mein Standort?
Die Schneelastzone wird über die Postleitzahl ermittelt. Deutschland hat fünf Zonen: Zone 1 (geringste Schneelast, z.B. Norddeutschland) bis Zone 3 (höchste Schneelast, z.B. Alpenrand). Die Zuordnung basiert auf DIN EN 1991-1-3 Anhang NA. Online-Schneelastrechner ermitteln die Zone automatisch anhand der PLZ.
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